Foto: Petra Coddington

Teresa Grünhage-Bilitza studierte „Kulturpädagogik“, „Kultur, Ästhetik, Medien“ sowie Bildende Kunst und Medien Kunst. Von 2007 an ist sie als Kunst- und Kulturvermittlerin, Kulturmanagerin und Künstlerin tätig und arbeitete u. a. für das Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg, das Leopold Museum und die Albertina in Wien sowie für den Bundesverband  des Paritätischen Bildungswerk e. V. Seit 2021 leitet sie das mondo mio! Kindermuseum in Dortmund und verantwortet dort die strategische und inhaltliche Weiterentwicklung des Hauses.

1. Was zeichnet das mondo mio! als zeitgemäßes Kindermuseum aus?

Für mich zeichnet das mondo mio! als zeitgemäßes Kindermuseum vor allem seine konsequente Kinderorientierung aus: Kinder werden als neugierige, kompetente Menschen ernst genommen, die ihre Umwelt entdecken, mitgestalten und im Museum zu aktiven Mitgestalter*innen werden.

Dazu gehören sinnliche, spielerische und multisensorische Ausstellungen, in denen Kinder anfassen, staunen, forschen und selbst aktiv werden können. Wir machen globale Zusammenhänge, kulturelle Vielfalt und unterschiedliche Perspektiven erfahrbar und greifen dabei aktuelle Themen auf.

Ein weiteres Merkmal ist die interdisziplinäre Verbindung von Kunst, Wissenschaft, Pädagogik, Design und Spieldesign. Im Zusammenspiel dieser Perspektiven entstehen Ausstellungen, die komplexe Themen auf eine verständliche und sinnliche Weise vermitteln und Kinder ermutigen, eigene Fragen zu stellen, Zusammenhänge zu entdecken und sich die Welt spielerisch zu erschließen.

2. MITMACHEN wird großgeschrieben. Wie sieht das konkret aus?

MITMACHEN wird bei uns wirklich großgeschrieben. Die Bedürfnisse, Fragen und Perspektiven von Kindern stehen dabei im Zentrum. In der Ausstellung können sie selbstbestimmt erkunden, ausprobieren und eigene Wege gehen – und ihre Spuren hinterlassen: ein eigenes Bild an der Wand, eine Idee oder ein Lieblingsrezept. Vieles ist möglich.

Gleichzeitig sind sie aktive Mitgestalter*innen des Museums: Bei der Entwicklung der neuen Dauerausstellung für den Neubau 2029 haben sich bereits über 400 Kinder und Familien beteiligt. Aktuell wirken Kinder bei „Mission Wunderkammer“ an unserem Schaudepot und bei der Neuentwicklung unserer Bildungskonzepte mit.

Dabei öffnen wir bewusst die Türen hinter die Kulissen. Unser Team arbeitet in vielen Prozessen, etwa bei der Ausstellungsentwicklung, kollaborativ. Diese Arbeitsweise machen wir für Kinder und Familien erlebbar und beziehen sie als Expert*innen ein. So können sie nicht nur entdecken, sondern mitgestalten und mitentscheiden.

3. Gibt es etwas, das die allerkleinsten Besucher*innen an der aktuellen Ausstellung „unSICHTBAR verbunden. Im Boden“ besonders fasziniert?

Bei den Allerkleinsten beginnt die Faszination oft schon mit dem ersten Schritt in die Ausstellung: Die besondere Atmosphäre lässt sie regelrecht in den Boden „abtauchen“ – ein echter Wow-Moment. Aber auch unsere Sammlung begeistert: Die kleinen Traktoren, der große Baum aus Metall oder das drehbare Landschaftsdiorama ziehen schon die Kleinsten in ihren Bann.

Überall gibt es etwas zu entdecken: Sie können wie ein Wurm durch den Raum kriechen, ein Bergwerk erkunden, an der Duft-Bar den Boden riechen, auf dem Spielacker ernten oder in der Spielküche kochen. Im Soja-Wurzelraum können sie schaukeln und einer Soundinstallation lauschen. So erleben sie die Ausstellung mit allen Sinnen und entdecken vieles selbstständig – etwa, wo unser Essen herkommt.

4. Sie leiten das Museum und sind selbst Künstlerin. Gibt es etwas, das Sie an Ihrer Arbeit immer wieder aufs Neue begeistert?

Mich begeistert immer wieder gemeinsam mit meinem Team Räume zu schaffen, die Neugier und Begeisterung wecken. Als Künstlerin habe ich mir eine kindliche Neugier bewahrt: den Blick für Details und die Lust, Dinge immer wieder neu zu entdecken. Genau daraus entsteht für mich die Kraft von Kunst: Sie kann uns überraschen, berühren und einen Moment schaffen, in dem wir die Welt mit anderen Augen sehen.

Diese Erfahrung möchte ich auch in unseren Ausstellungsräumen ermöglichen. Ein inspirierender Raum spricht die Sinne an, überrascht, macht Lust, sich auf Inhalte einzulassen und nimmt dabei die Perspektive der Kinder ein.

5. Frühkindliche kulturelle Bildung liegt Ihnen am Herzen, weil …

… sie Kinder früh stärkt und Chancengerechtigkeit fördert. Frühkindliche Bildung ist für mich auch Armutsprophylaxe, weil sie Kindern unabhängig von ihrer Herkunft früh Zugänge zu Bildung, Kultur und gesellschaftlicher Teilhabe eröffnet und damit Bildungs- und Lebenschancen stärkt. Sie fördert Kreativität, Resilienz und Selbstwirksamkeit und legt wichtige Grundlagen für Demokratie und Inklusion. Wenn Kinder neugierig die Welt entdecken, Fragen stellen und mitgestalten, erfahren sie: Meine Perspektive zählt, ich kann etwas bewegen.