
Foto: privat
Henrike Kollmar arbeitet seit 2017 als Bildungsreferentin im nrw landesbuero tanz. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind: Tanzvermittlung in der Kulturellen Bildung zu stärken, Modellprojekte für partizipativen Tanz mit Kindern und Jugendlichen weiterzuentwickeln und Zugänge zu Tanz durch innovative Vermittlungsansätzen zu initiieren. Davor arbeitete die Tanz- und Theaterwissenschaftlerin als Dramaturgin u. a. im tanzhaus nrw in Düsseldorf, wo sie Formate zur Vermittlung von zeitgenössischem Tanz an diverse Publika, Festivals sowie Programmreihen kuratierte.
1. Gab es in deiner eigenen Biografie eine/n besondere/n Wegbereiter*in kultureller Bildung?
Als Teenager hatte ich das Glück eine tolle Sportlehrerin zu haben, die mit uns ein Tanzprojekt auf die Beine gestellt hat. Das hat mich ungemein beflügelt und mir Selbstvertrauen gegeben – heute würde man von Empowerment sprechen, aber damals gab es denn Begriff in dem Zusammenhang noch nicht. Sie hat auch in besonders stressigen Schulphasen Yoga- und Entspannungselemente in den Sportunterricht eingebaut. Damals wurde sie dafür belächelt. Ich bin froh, dass sich hier inzwischen einiges getan hat und das Potential von Tanz und Bewegung in der kulturellen Bildung anerkannt ist.
2. Was macht dir an deiner Arbeit den meisten Spaß?
Ganz besonders schön ist natürlich der direkte Kontakt zu Kindern und Jugendlichen. Zu sehen, wie sie in unseren Tanzprojekten ihre eigenen Wege finden, Bewegungen ausprobieren und miteinander Spaß haben, gibt mir unheimlich viel Energie für die Arbeit am Schreibtisch. Und dann natürlich auch der Kontakt zu Tanzvermittler*innen, die wir u. a. in unseren Beratungsformaten treffen und uns über ihre Praxis und Arbeitsrealität austauschen können. Viel Spaß macht auch der Dialog mit Kolleg*innen in Arbeitsgruppen und Gremien darüber, wie wir gemeinsam den Tanz und die kulturelle Bildung noch besser in diverse gesellschaftliche Felder implementieren und über kulturpolitische Strategien Verbesserungen der Arbeitsbedingungen im Feld anregen können.
Demnächst startet ja wieder DYNAMO – Junge Tanzplattform NRW: Wo steht ihr zurzeit?
Aktuell sind wir in der heißen Planungsphase: vom 19. bis 21. November findet wieder unser Kinder- und Jugendtanzfestival in Essen bei unserem Kooperationspartner Pact Zollverein statt. Das Festival gibt es nun schon seit 16 Jahren und hat sich als feste Größe längst etabliert. Es macht Freude, das Konzept Jahr für Jahr an die aktuellen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen anzupassen. Für diese Weiterentwicklung ist natürlich das Feedback der Beteiligten durch partizipative Ansätze besonders hilfreich. Sehr spannend ist auch die Umsetzung unseres Rechte- und Schutzkonzeptes im Rahmen von Awareness-Ansätzen und die Begleitung durch ein junges Team, das aus tanz- und kulturinteressierten jungen Menschen besteht. Sie unterstützen uns von der Programmgestaltung bis zur Kommunikation mit den beteiligten Kindern und Jugendlichen – das bereichert unsere Arbeit ungemein und verlagert den Blickwinkel. Ein besonders intensives Erlebnis ist immer, wenn die beteiligten Kinder- und Jugendtanzgruppen ihre eigenen Stücke auf der Bühne vor Publikum zeigen – das ist Energie pur.
4. Und woran arbeitest du zurzeit?
In diesem Jahr haben wir den ersten Durchlauf unseres neuen Modellprojektes „Dance2Mind“. Dieses wurde durch Gespräche mit Jugendlichen, in denen immer wieder die Wichtigkeit von Tanz und Bewegung u. a. für mentale Gesundheit und der Entwicklung von Resilienz genannt wurde, inspiriert. Ansatzpunkt ist, über niedrigschwellige Angebote Jugendliche erreichen und mit ihnen gemeinsam Strategien zu einem positiv orientierten Körperbewusstsein zu entwickeln, Wege zur Entdeckung der eigenen, individuellen Kreativität aufzuzeigen und Strategien zum Stressabbau durch Bewegung zu vermitteln. Sehr wichtig ist uns dabei auch, mit den Mitarbeiter*innen in den Jugendzentren und Schulen, in denen die insgesamt 5 einzelnen Tanzprojekte stattfinden, in einem engen Austausch zu bleiben. Ziel ist, den beteiligten Jugendlichen ein engmaschiges Netz an Ansprechpersonen zu bieten und die Tanzprojekte nachhaltig in die Institutionen einzubinden.
5. Worin siehst du in der Kulturellen Bildung aktuell das größte Entwicklungspotential?
Ganz eindeutig haben derzeit die Entwicklungen im Bereich des Ganztags ein großes Potential. Deshalb habe ich mich schon früh aktiv über eine Mitarbeit bei den Rahmenvereinbarungen für die Gestaltung und Umsetzung des Ganztagsfördergesetzes in NRW engagiert. Gemeinsam mit Kolleg*innen anderer Sparten habe ich mich dafür stark gemacht, dass das Potential von Tanz als kulturelle Bildungspraxis für den Ganztag sichtbar wird und Zugänge geschaffen werden. Hier sehen wir als nrw landesbuero tanz auch eines unserer zentralen Aufgabenfelder: unsere Expertise mit einzubringen und mit Akteur*innen aus verschiedenen Feldern in Austausch zu kommen. So beraten wir etwa Schulen und OGS-Träger, wie sie am besten ein Tanzprojekt implementieren können, stellen nrw-weit Kontakte zu Tanzvermittler*innen her und geben unsere Expertise über Best Practice Beispiele weiter.








