
Fotos: Michael Hotopp und Thilo Schmülgen
Henrike Jung studierte Theater- und Literaturwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum und arbeite als Musiktheaterpädagogin am Theater Erfurt sowie als Referentin „Kommunale Gesamtkonzepte“ bei der Arbeitsstelle Kulturelle Bildung NRW. Seit 2023 leitet sie den Kinder- und Familienbereich am Ulla-Hahn-Haus in Monheim am Rhein und betreut hier u.a. das Programm „Wortmalerei“ für die Grundschulen.
Joana Pape studierte Kunstgeschichte, Erziehungswissenschaften und Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaften an der Philipps-Universität Marburg und war anschließend in der Museumsarbeit, Kunstvermittlung, Kulturverwaltung und im Kulturmanagement tätig, unter anderem im Kulturamt der Stadt Reutlingen und im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Seit 2024 leitet sie den Kinderbereich an der Kunstschule Monheim am Rhein und betreut hier u. a. das Programm „Wortmalerei“ für die Grundschulen.
1. Vor welchem Hintergrund, mit welcher Idee ist das Projekt „Wortmalerei“ entstanden?
Hinter Wortmalerei* steckt die Idee, Kindern auch im Unterricht zu ermöglichen, Kunst und Literatur in ganz unterschiedlichen Facetten zu erleben und auszuprobieren. Dabei geht es vordergründig darum, Begeisterung zu erwecken, Neues und mitunter Ungewöhnliches zu erforschen sowie Selbstwirksamkeit und Gemeinschaft zu erfahren – das Ganze eben völlig frei und nicht gebunden an Schulnoten. Kunstschule und Ulla-Hahn-Haus können mit Wortmalerei Kulturelle Bildung als selbstverständlichen Teil des Schulalltages etablieren. Durch die Kooperation mit allen Grundschulen der Stadt Monheim am Rhein ist außerdem Teilhabe gegeben, denn alle Kinder haben im Laufe ihres Grundschullebens einmal die Möglichkeit an „WoMa“ teilzunehmen.
2. Das Besondere an eurem Angebot „Wortmalerei“ ist die Dauer und Intensität der Begleitung: Ihr arbeitet ein ganzes Schuljahr wöchentlich mit den Kindern. Welche Entwicklung und welche Veränderungen könnt ihr in dieser Zeit bei den Kindern beobachten?
Das ist von Jahr zu Jahr und von Klasse zu Klasse ganz unterschiedlich. Es gibt Klassen, die schon Einiges kennen, weil die Lehrkraft selbst ganz offen ist und immer wieder Neues ausprobiert. Es gibt auch die Kinder, die zu Anfang eher schüchtern sind und vielleicht auch nur den Wasserfarbkasten kennen. Da kann Wortmalerei mit seiner großen Material- und Methodenvielfalt zu Anfang natürlich erstmal einschüchtern. Bei Wortmalerei steht vor allem auch Partizipation im Mittelpunkt: Die Kinder sind eingeladen, aktiv mitzuentscheiden und mitzugestalten. Sie bestimmen maßgeblich mit, wohin die „WoMa-Reise“ geht. Das kennen viele aus dem normalen Schulalltag nicht, der häufig nach festen Vorgaben abläuft. Unsere freiberuflichen Dozentinnen sind hier aber sehr sensibel und geschult und finden für jede WoMa-Klasse den richtigen Weg. Wir bekommen in den Zwischengesprächen mit den Dozierenden und Lehrkräften häufig die Rückmeldung, dass die Kinder total aufblühen und WoMa schnell zum Lieblings“fach“ wird. Gerade Kinder, die im Schulalltag sonst vielleicht nicht so sichtbar werden, können in Wortmalerei ganz anders arbeiten und gesehen werden.
3. Für das Ulla-Hahn-Haus und die Kunstschule steht Vielfalt im Vordergrund: was bedeutet das für eure Angebote?
Uns ist es wichtig, unser Angebot möglichst breit aufzustellen, vielleicht auch mal ungewöhnliche Wege zu gehen und niedrigschwellig zu arbeiten. Sowohl die Kunstschule als auch das Ulla-Hahn-Haus arbeiten viel mit Schulen, Kitas und Tageseltern zusammen. Darüber hinaus sind beide Einrichtungen mit Kunstmobil und Bookbike auch aufsuchend unterwegs – wir bringen Kunst und Geschichten dahin, wo die Kinder und Jugendlichen sind!
4. Wodurch gelingt die Zusammenarbeit mit dem lokalen Bildungsnetzwerk in Monheim am Rhein?
In Monheim am Rhein sind wir untereinander tatsächlich gut vernetzt und es gibt in der Regel „kurze Wege“. Viele Strukturen in der Bildungslandschaft sind schon lange gewachsen und fest etabliert. Auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichen Zusammensetzungen gibt es regelmäßig Austauschtreffen – sei es bilateral zwischen den Programmleitungen der Kultureinrichtungen als auch in größerer Runde mit der Jugendförderung und Vereinen, wenn es beispielsweise um die Ferienangebote geht. Es gibt zudem die Kontaktstelle Kulturelle Bildung, die bei solchen Vorhaben und auch beim Projekt Wortmalerei unterstützt.
5. Was bedeutet euch persönlich kulturelle Bildung?
Spaß haben! Sich ausprobieren können, Fehler machen dürfen und sich selbst neu erfinden und erleben dürfen.
*Wortmalerei
„Wortmalerei“ ist ein Angebot an allen Monheimer Grundschulen im dritten Schuljahr. Ein Jahr lang wird eine Doppelstunde in der Woche zur „Wortmalerei-Stunde“. Mit Begeisterung und Neugier entdecken die Kinder vielfältige künstlerische Ausdrucksformen von Literatur über Theater bis zur Bildenden Kunst.
Begleitet werden sie von einem Team aus einer kulturpädagogischen Fachkraft und einer Lehrkraft. So können sie im Schulalltag selbstbestimmt künstlerisch Forschen, Ausprobieren und Verwerfen – ohne Leistungsdruck oder Bewertung am Ende.
Als Kooperationsprojekt von Kunstschule, Ulla-Hahn-Haus und den Monheimer Grundschulen macht „Wortmalerei“ seit Jahren kulturelle Bildung für alle Kinder erfahrbar und zu einem festen Bestandteil des Unterrichts.








