
Foto: Volker Müller-Ulrich/Stadt Bad Oeynhausen
Claudia Jenkes ist Diplom-Journalistin und absolvierte ihr Volontariat beim Westdeutschen Rundfunk. Rund 25 Jahre lang arbeitete sie als Projektkoordinatorin in der politischen Bildungsarbeit. 2023 wechselte sie in den städtischen Kulturbereich und ist in Bad Oeynhausen für die Verwaltung von Kultur und Heimatpflege, für kulturelle Bildung, aber auch für kulturelle Entwicklungsplanung zuständig.
1. Wie funktioniert in Bad Oeynhausen die ressortübergreifende Kooperation und Steuerung und was macht sie erfolgreich?
In einer kleinen Stadt wie Bad Oeynhausen ist es von Vorteil, dass man sich kennt und die Wege kurz sind. Das erleichtert den Austausch – auch über Ressorts hinweg. Gerade die regelmäßige Kommunikation ist ja bei Kooperationen zwischen unterschiedlichen Arbeitsbereichen und Akteuren das A und O. Denn die Arbeitsbedingungen, Standards und Perspektiven – etwa in Kita, Schule und in den Ämtern sind häufig grundverschieden. Wenn wir also gemeinsam tragfähige Konzepte entwickeln wollen, müssen wir zunächst verstehen, wie es bei den anderen läuft, müssen immer wieder die Perspektive wechseln. Und das ist ein fortlaufender Prozess in der Netzwerkarbeit, der eine gute Moderation braucht. Darauf legen wir hier in Bad Oeynhausen viel Wert.
2. Welche Chance sehen Sie darin, ein Thema (hier: Märchen) als roten Faden für die kulturelle Bildungslandschaft und mehr Vernetzung im OGS zu wählen?
Ich denke, es ist immer gut, erst einmal zu schauen: Was haben wir hier vor Ort? Was gibt es schon? Und das sind in Bad Oeynhausen eben die Märchen. Mit dem Thema knüpfen wir an eine lokale Erzähltradition in der Kurstadt, aber auch an die regionale Kulturgeschichte an. Bad Oeynhausen liegt schließlich an der deutschen Märchenstraße und die Brüder Grimm lebten zeitweise in der Region. In unserer Innenstadt kann man z.B. kleine Märchenfiguren entdecken und wir haben ein schönes Märchenmuseum mit wechselnden Ausstellungen. Es gibt aber auch viele – ehrenamtliche wie professionelle – Kulturschaffende, die sich mit dem Thema beschäftigen. All das bietet tolle Anknüpfungspunkte für kulturelle Bildungsprojekte und auch für Vernetzung. Zugleich schafft das Thema Märchen aufgrund der lokalen Bezüge eine starke raumbezogene Identität. Auch darin sehe ich eine große Chance für die kulturelle Bildungsarbeit.
3. Gibt es einen Rat/Tipp, den Sie Kommunen aus dem ländlichen Raum geben können/möchten? Alternativ: Welche Empfehlungen würden Sie anderen ländlichen Kommunen mit auf den Weg geben, die die kulturelle Bildung im Ganztag/grundsätzlich strategisch voranbringen wollen?
Meiner Meinung nach ist es besonders wichtig, neben den OGS-Trägern auch die OGS-Teams in die Konzept-Entwicklung einzubinden und sie direkt mit den Kulturschaffenden, Jugendeinrichtungen etc. vor Ort zu vernetzen. Schon allein durch den direkten Austausch wird Vieles in Gang gesetzt: Da stellt die Bücherei neue Medien vor, die dann bei Bildungsprojekten in der OGS genutzt werden oder das Jugendzentrum berichtet über eine aktuelle Bildungsreihe und kooperiert dann mit dem offenen Ganztag. Außerdem bin ich überzeugt: Überall gibt es engagierte Menschen, die tolle Ideen haben und etwas bewegen wollen. Diese Leute muss man aufspüren, zusammenbringen und ihnen den Rücken stärken. Dann werden Netzwerke irgendwann zum Selbstläufer, setzen Ressourcen frei und bringen Prozesse in Gang. Was es dabei unbedingt braucht: Viel Offenheit und Begeisterung.
4. Bad Oeynhausen unternimmt viel für die eigene Qualifizierung und Weiterentwicklung. Die Kommune war Partner im Projekt „K² – Kulturnetzwerke in Kommunen und Regionen“ (2018–2022) der Bundesakademie Wolfenbüttel und beteiligt sich seit 2023 regelmäßig an interkommunalen Austauschformaten der Arbeitsstelle “Kulturelle Bildung NRW”. Worin sehen Sie den Mehrwert solcher Formate?
Ich denke, es bringt uns nicht weiter, im eigenen Saft zu schmoren. Fortbildungen und Beratung durch Profis steigern die persönlichen Kompetenzen und letztlich auch die Kompetenzen des Netzwerks insgesamt. Der K2-Prozess hat z.B. sehr dazu beigetragen, unser Netzwerk für kulturelle Bildung zusammenzuschweißen und eine Vertrauensbasis zu schaffen. Ganz wichtig ist für uns aber auch der interkommunale Dialog. Die daraus resultierenden Kontakte sind wirklich Gold wert! Wir informieren uns gegenseitig: Was hat bei euch gut funktioniert? Wie habt ihr dieses oder jenes Problem gelöst? Schließlich muss man das Rad nicht immer neu erfinden. Tolle Projekte, die anderswo gut funktioniert haben, versuchen wir dann auch bei uns umzusetzen.
5. Das Land NRW unterstützt Kommunen wie Ihre mit Auszeichnungen/Preisgeldern im Rahmen des Landeswettbewerbs. Welche Wirkung hat dies vor Ort?
Wie in vielen anderen Kommunen herrscht bei uns Sparkurs. Ohne das Preisgeld aus dem Wettbewerb „Kommunale Gesamtkonzepte“ könnten wir unsere kulturellen Bildungsprojekte im Offenen Ganztag nicht in dem Umfang finanzieren.
Ein anderer wichtiger Punkt ist aber auch die Sichtbarkeit unserer Arbeit. Die Preisverleihung weckt öffentliche Aufmerksamkeit und das hat hier in Bad Oeynhausen auch zu einer höheren Wertschätzung kultureller Bildung beigetragen.








