Portrait Fleur Vogel

Foto: Dasa Geiger

Fleur Vogel ist geschäftsführende Referentin  der Landesarbeitsgemeinschaft Kunst und Medien. 

1. Du bist geschäftsführende Referentin der LAG Kunst und Medien. Was ist dein Arbeitsschwerpunkt?

Puh, das ist eine gute Frage, die ich mir auch öfters stelle. Geschäftsführende Bildungsreferentin klingt ja nach allem und nichts irgendwie. Zuallererst sehe ich mich als Ideenzüchterin und Projektgärtnerin, die Kulturpädagog*innen und Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit in NRW dabei unterstützt, Projekte der Kulturellen Jugendarbeit von der ersten Idee bis zu Dokumentation und Abrechnung mit Rat und Tat zu begleiten. Von der kleinen Upcycling-Textilwerkstatt im Offenen Treff bis zum multimedialen Ausstellungsprojekt mit 10 Netzwerkpartnern ist da alles dabei. Jedes Projektpflänzchen hat eigene Ansprüche und Bedarfe und braucht die passende Pflege.

2. Ihr stellt für eure Kooperations-Partner*innen umfangreiche Materialien zur Verfügung, z. B. das Kartenset zu Gewaltprävention und Ressourcenbildung:  wie ist die Idee entstanden?

2023 haben wir uns im Rahmen unseres Institutionellen Schutzkonzepts die Frage gestellt: Wie können wir unsere Partner* und Kulturpädagog*innen ganz praxisnah bei der Vermittlung unterstützen? Die Idee entstand aus der Beobachtung, dass Handlungsleitfäden und Arbeitshilfen uns in der Projektpraxis nur bedingt sprach- und handlungsfähig machen. Unserer Ansicht nach braucht es neben ganz konkreten Fragestellungen mit Alltagsbezug auch spielerische Elemente, um das Thema Gewaltprävention Kindern und Jugendlichen näher zu bringen.

3. Gab es für dich selbst Wegbereiter/Wegbegleiter Kultureller Bildung, die dich geprägt haben?

Da muss ich gar nicht lange nachdenken! 2015 habe ich bei der LAG Kunst & Medien angefangen und eine meiner ersten Projektbesuche war bei einer unserer „Näh-Ladies“ Christa Bausch, die über viele Jahrzehnte für die LAG Textilwerkstätten mit Kindern in Aachen durchgeführt hat. Letztes Jahr mit 92 Jahren hat sie die Kinder-Werkstatt geschlossen, aber nicht weil sie sich von der Kulturellen Vermittlungsarbeit verabschiedet, sondern weil sie einfach noch soviel anderes lernen und neues machen möchte. Diese Lust auf Erfahrungen und Freude am kreativen Tun hat mich nachhaltig beeindruckt und motiviert mich.

4. Was bedeuten Erlebnisräume für Jugendliche für dich persönlich?

Da frag ich doch ganz frech erstmal zurück, was man denn allgemein unter „Erlebnisraum“ versteht. KI sagt: „Ein Erlebnisraum ist ein speziell gestalteter physischer oder virtueller Ort, der darauf ausgelegt ist, Menschen ein intensives, sinnliches und lehrreiches Erlebnis zu bieten.“ Das klingt für mich tatsächlich wenig erlebnisreich, weil das Wörtchen „selbst“ nicht vorkommt. Jugendliche bewegen sich in meist fremdgestalteten Räumen. Was sie wie dort tun und erleben können wird von Erwachsenen, Institutionen, Konzernen und Algorithmen bestimmt und überlässt wenig bis nichts dem kreativen Zufall. Erlebnisräume dürfen deswegen nicht fertig „durchgestaltet“ sein, sondern nur abgesteckt werden. Kulturelle Bildungsangebote sind ein Möglichkeitsraum, der im gemeinsamen Tun zum Erlebnisraum werden kann.

5. Woran arbeitest du zurzeit?

Alles dreht sich aktuell um unser Ausstellungsprojekt „Blackbox Angst“ , dass am 17. September in der Dortmunder Innenstadt Eröffnung feiert. Über 100 Menschen im Alter von 6 bis 69 Jahren haben in 7 Workshopgruppen zum Thema gearbeitet und eigene künstlerische Formen entwickelt, die ihren persönlichen Erfahrungen mit Angst entsprechen. Das Projekt hat einen offenen Raum geschaffen, in dem Menschen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungshintergründen zusammengekommen sind, um einen stärkenden und empathischen Umgang mit den eigenen sowie den Ängsten der Anderen zu lernen. Die Ergebnisse werden als interaktive, begehbare „Blackbox“ in Form von zwei schwarzen Überseecontainern, präsentiert.

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