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Foto: Anke Doerschlen

Gianna Raser leitet das Programm Akademie Regio der Akademie der Kulturellen Bildung. Nach ihrem Studium (Kunstgeschichte, Germanistik und Psychologie) arbeitete sie in der Kunstvermittlung und in verschiedenen kulturellen Projekten. Nach Stationen bei der ALTANA Kulturstiftung und der Crespo Foundation bildete  sie sich nebenberuflich in den Bereichen Beratung und Tanztherapie weiter.

1. Welche Bedeutung hat kulturelle Bildung für dich – auch persönlich?

Eine große, da ich schon in den 90ern auf einer progressiven Gesamtschule mit vielen kreativen Projektwochen war, die damals im Ort noch belächelt wurden. Dabei haben wir in diesen Projektwochen vieles gelernt, was über den Lehrplan hinaus ging. Später habe ich als Projektreferentin der Kulturellen Bildung miterlebt, wie Kinder und Jugendliche in der Zusammenarbeit mit Künstler*innen aufblühten. Manche haben neue Seiten an sich entdeckt und sich erstmals mit neuen Ausdrucksmöglichkeiten vor anderen gezeigt. Schüler*innen haben für ein gemeinsames Projektziel plötzlich Hand in Hand gearbeitet und sind dafür über vorher scheinbar unüberwindbare Hürden gesprungen.

2. Was macht aus deiner Sicht das Besondere des Programms Akademie Regio aus?

Die Vielfältigkeit des Kursangebotes. Es gibt viele Kurse im kreativen Bereich (Bildende Kunst, Gesang etc.), aber auch zu Themen wie Digitalität und Demokratiebildung. Einige Kurse unterstützen Menschen im Kulturbereich dabei ihre Vorhaben in die Tat umzusetzen. Besonders ist die Energie, die in vielen Kursen entsteht: Menschen beweisen Mut dabei, etwas Neues auszuprobieren, über sich hinaus zu wachsen und die Gruppe trägt diese Erfahrung in einem geschützten Rahmen mit. Ich beobachte oft, dass Kursteilnehmer*innen den Kurs mit einer anderen Motivation verlassen – und das oft mit neuen Kontakten im Gepäck und dem Gefühl etwas bewirken zu können.

3. Gab es in deiner eigenen Biografie eine/n besondere/n Wegbereiter*in kultureller Bildung?

Ganz klassisch mein Kunstlehrer in der Schule! Er hatte einen langen Zopf und war im Kunstunterricht meinen Ideen gegenüber immer aufgeschlossen. Meine Familie hat sich über mein Interesse erst einmal gewundert, aber sie haben mich trotzdem unterstützt. Meine Mutter war immer mit mir in der Stadtbücherei bei uns im Ort, wo ich zum ersten Mal in dicken Kunstbüchern geblättert habe. Später hat mein Vater mit mir einen kleinen Raum unter dem Dach in ein Atelier umgebaut und ich durfte sogar die Wände bemalen. Anschließend habe dort stundenlang völlig vertieft gemalt, Collagen aus alten Modezeitschriften geklebt, Plastiken aus Fundstücken gebaut und an einem furchtbaren Teenie-Roman geschrieben.

4. Was macht dir an deiner Arbeit den meisten Spaß?

Dass ich nun auf eine andere Art kreativ sein kann und mir immer wieder neue Kurse in verschiedenen Themenfeldern ausdenken darf. Dafür recherchiere ich über aktuelle Themen, die für die Menschen in der Region interessant sein könnten und tausche mich über Kursideen mit den Gastdozierenden der Akademie Regio aus, die Expert*innen auf ihrem Fachgebiet sind. Außerdem vernetze ich mich in der Region und überlege mit anderen Institutionen, wo es Synergien für gemeinsame Projekte und Vorhaben geben könnte. Auch hier kann ich im Kontakt kreativ sein und Neues kann entstehen, was hoffentlich andere wiederum inspiriert und verknüpft. Das Allerschönste an meiner Arbeit ist, wenn ich live in den Angeboten der Akademie Regio miterleben kann wie dieses Vorhaben aufgeht.

5. Und woran arbeitest du zurzeit?

Eine pensionierte Kulturpädagogin aus Remscheid ist mit der Idee auf mich zugekommen für Menschen im Ruhestand, die den neuen Lebensabschnitt aktiv gestalten wollen, eine Kursreihe zu entwickeln. Kreative Impulse sollen den Teilnehmenden dabei helfen sich zu fragen* Was möchte ich mit der neu gewonnenen Zeit anfangen? Welche Idee möchte ich verwirklichen und gibt es andere, die Lust haben etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen? Im Verlauf des Kurses kann die Gruppe eine gemeinsame Projektidee für die Region entwickeln.

Diese Kursreihe gefällt mir besonders gut, weil die Akademie Regio damit ein Forum für Menschen in einer ähnlichen Lebenssituation bietet, die sich zusammen innovativ einbringen möchten.

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