Fotos: Arbeitsstelle Kulturelle Bildung NRW

Wie kann Schultheater demokratische Teilhabe fördern?

13. Fachtag Schultheater NRW in Hamm: „Zusammen.Haltung.Zeigen“ am 10. Februar 2026

Mit dieser Leitfrage beschäftigten sich rund 100 Lehrkräfte beim diesjährigen Fachtag Schultheater NRW im Helios Theater und in der VHS Hamm. Im Mittelpunkt stand neben den Impulsen zu alternativen Inszenierungsmöglichkeiten vor allem die Haltung: Wie können Schüler*innen im freien Kunstraum Theater ermutigt werden, mitzureden, mitzugestalten – und Verantwortung zu übernehmen?

Den inhaltlichen Auftakt bildete ein Impulsvortrag von Hannah Biedermann (pulkfiktion). Der Vortrag lenkte den Blick auf eine machtkritische Haltung von Erwachsenen gegenüber Kindern und Jugendlichen und sensibilisierte für das institutionelle Machtgefälle zwischen Lehrkräften und Schüler*innen. Im anschließenden Workshop zeigten pulkfiktion, wie es spielerisch und performativ gelingen kann, mit Kindern und Jugendlichen authentisch über ihre Anliegen ins Gespräch zu kommen.

Alle sechs Workshops verband ein gemeinsames Ziel: die eigene Haltung zu reflektieren und Schüler*innen als gleichwertige Akteur*innen in schulische und unterrichtliche Gestaltungs- und Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

So lernten die Teilnehmenden im Workshop zum Forumtheater eine Form des „Theaters der Unterdrückten“ nach Augusto Boal kennen. Ausgehend von Themen aus der Lebenswelt der Schüler*innen werden Unterdrückungserfahrungen partizipativ auf die Bühne gebracht, im Forum verhandelt und durch Interventionen, alternative Handlungsoptionen und die Aktivierung von Bystandern hinterfragt.

Politische Teilhabe stand auch im Workshop „…mit einer Stimme sprechen“ im Fokus. Beim chorischen Arbeiten erfuhren die Lehrkräfte, wie Schüler*innen im geschützten Raum eines Chors Mut entwickeln können, ihre Stimme für eigene Themen zu erheben. Gleichzeitig erhielten die Teilnehmenden praxisnahes Handwerkszeug – von digitalen Tools bis zur Entwicklung chorischer Arrangements.

Einen körperlichen Zugang zur Frage von Macht und Ermächtigung eröffnete ein bewegungsorientierter Workshop aus dem Tanztheater. Hier wurde erfahrbar, wie Nähe, Distanz und räumliche Positionierung selbst in einfachen Choreografien Machtverhältnisse sichtbar machen.

Zwei weitere Workshops setzten sich mit Diskriminierung, Unterdrückung und Machtgefällen auseinander. Ausgehend von eigenen Erfahrungen entwickelten die Lehrkräfte Szenen, um diese Themen aus der Tabuzone zu holen und in einen gemeinsamen Handlungsraum zu überführen. Beim Objekttheater-Workshop „Die Stimme der Dinge“ wurden Tabuthemen auf Alltagsgegenstände übertragen: Auf diese Weise wird Distanz hergestellt, die die Themen verhandelbar macht. Die Methode des „Devising Theatre“ zeigte in einem anderen Workshop, wie emotionale Inhalte partizipativ und achtsam auf die Bühne gebracht werden können.

Der große Zuspruch zum Fachtag machte deutlich: Der Bedarf an Reflexion über die eigene (Macht-)Position ist hoch – ebenso wie das Interesse an künstlerischen Wegen, Schüler*innen zur Mitsprache und Mitgestaltung zu ermutigen. Schultheater erweist sich dabei als Proberaum für Demokratie: ein geschützter Raum, in dem Beteiligung, Haltung und gesellschaftliches Handeln erprobt werden können.