
Foto: privat
Anja Sibum hat nach ihrem Studium und dem zweiten Staatsexamen zunächst einige Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet, bevor es sie 2023 in die Serviceagentur Ganztagsbildung NRW gezogen hat, die sie seither als abgeordnete Grundschullehrkraft leitet.
1. Deine Tätigkeit liegt ja im Bereich der Ganztagsbildung. Wie sieht deine Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle Kulturelle Bildung NRW aus?
Als Serviceagentur Ganztagsbildung informieren, beraten und vernetzen wir Akteure auf Landes- und regionaler Ebene im Bereich Weiterentwicklung und Etablierung einer kind- und jugendorientierten Ganztagsbildung in NRW. Hierfür ist insbesondere eine Vernetzung von Jugendhilfe und Schule aber auch weiteren Partnern auf allen Ebenen notwendig. Die Arbeitsstelle Kulturelle Bildung stellt in diesem Kontext eine wichtige Kooperationspartnerin für uns dar. Zusammen ergänzen wir unsere Fachkenntnisse, bündeln Ressourcen und Erfahrungen und ermöglichen so eine Vielfalt von Angeboten für die Akteure in der Praxis. Beispielsweise veranstalten wir in diesem Jahr noch einen großen gemeinsamen Fachtag zum Thema Kulturelle Bildung im Ganztag. Darüber hinaus unterstützen wir uns generell gegenseitig durch Workshopangebote, Vorträge und regelmäßigen Informationsaustausch.
2. Was macht dir an deinem Job besonders Spaß?
Die Arbeit im Projekt ist sehr vielfältig. Wir arbeiten mit verschiedensten Akteuren aus Theorie und Praxis, auf der Steuerungs- sowie auf der operativen Ebene zusammen. Egal, in welchen Formaten wir uns bewegen: wir begegnen durchgehend motivierten und engagierten Personen, die sich in ihren jeweiligen Bereichen für eine qualitative kind- und jugendorientierte Ganztagsbildung einsetzen. Der gegenseitige Austausch, die konstruktive Zusammenarbeit und das Kennenlernen innovativer Beispiele gelingender Ganztagspraxis sind dabei immer bereichernd. Und wenn wir darüber hinaus positive Rückmeldungen zu unseren Unterstützungsangeboten erhalten, macht das Mut und zeigt, dass sich unsere Arbeit lohnt.
3. Was macht für dich eine stärkende und gute Ganztagsbildung aus?
Gute Ganztagsbildung kann nur gelingen, wenn konsequent von den Kindern und Jugendlichen aus gedacht wird: Was brauchen sie und wie können sie aktiv den Ganztag mitgestalten?
Es braucht zudem unbedingt ein verzahntes Bildungsverständnis, welches über den ganzen Tag formales, non-formales und informelles Lernen miteinander verbindet. Das kann nur gelingen, wenn Schule und Jugendhilfe und weitere Partner zusammenarbeiten – auf Steuerungsebene, aber auch im multiprofessionellen Team vor Ort.
Und wichtig ist dabei immer auch, dass es allen Erwachsenen im System gut geht. Nur wenn Lehr- und Fachkräfte gute Rahmenbedingungen (zeitlich, strukturell, finanziell und auch räumlich) vorfinden, können sie ihre jeweiligen Rollen professionell einbringen und Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung unterstützen. Dabei sind regelmäßige Qualifizierungen und Fortbildungen für das im Ganztag tätige Personal unerlässlich.
4. Wir arbeiten ja viel mit Künstler*innen, Jugend- und Kultureinrichtungen zusammen – was machen für dich gute Kooperationen aus?
Eine gute Kooperation findet auf Augenhöhe statt und beinhaltet transparente Absprachen. Die Kooperationspartner:innen sollten sich und ihre jeweiligen Systeme gut kennen lernen, ihre jeweiligen Rollen klären, Aufgaben und Zielvorstellungen gemeinsam besprechen und auch vereinbaren, wie in einem möglichen Konfliktfall eine gemeinsame Lösung erarbeitet werden kann. Eine gute Kooperationsvereinbarung ist die zentrale Grundlage für eine solche tragfähige Zusammenarbeit. Dazu gehört natürlich auch, diese regelmäßig zu evaluieren und ggf. anzupassen.
5. Du hast selbst lange als Lehrerin an Grundschulen gearbeitet. Wie hast du da kulturelle Bildung erlebt?
Ich kann mich insbesondere an eine Kooperation mit einer selbständigen Künstlerin erinnern, die regelmäßig für mehrere Wochen den Kunstunterricht durch spannende Kunstprojekte bereichert hat. Es gab außerdem Kooperationen mit Museen, Bibliotheken und Musikschulen, Besuche von und in Theatern, Zirkusprojekte, Trommelprojekte und vieles mehr. Was alle Projekte gemeinsam hatten, war die große Neugier, Begeisterung und Motivation der Kinder, sich in die neuen Settings einzubringen, sich auszuprobieren und selbst neu kennenzulernen. Immer wurde deutlich, wie wichtig kulturelle Bildung für die Persönlichkeitsentwicklung, aber auch für das soziale Lernen und das Gemeinschaftsgefühl im Ganztag ist.








