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Foto Museum Folkwang

Muchtar Al Ghusain studierte Musik (Klavier) und Kulturmanagement an den Musikhochschulen in Würzburg und Hamburg. Seine berufliche Laufbahn führte ihn als Musikschulleiter und danach als Kulturamtsleiter nach Schwäbisch Gmünd, anschließend ins Kulturministerium Niedersachsen, dann als Dezernent für Kultur, Schule und Sport nach Würzburg und seit 2018 nach Essen als Dezernent für Jugend, Bildung und Kultur.

1. Wie kam es zu der Idee, die kulturelle Bildung voranzubringen und zu vernetzen? Welche Akteur*innen wurden in diesem Prozess beteiligt?

Als Dezernent bin ich in Essen für die Fachbereiche Bildung, Jugend und Kultur verantwortlich. Damit liegen die für eine gelingende Strategieentwicklung der Kulturellen Bildung wichtigsten Themenfelder in meinem Zuständigkeitsbereich. Gemeinsam mit verschiedenen Fachbereichen der Kulturellen Bildung (Kulturamt, Jugendamt, Schulamt, Stadtbibliothek, VHS), Trägern der offenen Jugendarbeit sowie den städtischen und freien Kulturhäusern sind wir in den Prozess gestartet. Es gab von Anfang an aus diesen Bereichen ein großes Interesse an einer Zusammenarbeit, zumal viele Grundsteine auch schon gelegt waren. Essen, eine Stadt mit teils großen sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen, hat eine vielfältige und komplexe Akteurslandschaft, die wir nun mit dem Kommunalen Gesamtkonzept für Kulturelle Bildung langfristig neu strukturieren, rahmen und damit stärken können.

2. Mit welchen Formaten gelingt diese ressortübergreifende Arbeit?

Aktuell vollziehen sich in Essen große strategische Entwicklungsplanungen: die Kulturentwicklungsplanung, die Schulentwicklungsplanung und die Jugendhilfeplanung. Kulturelle Bildung ist hier ein Schnittstellenthema. Dazu haben wir im Kulturamt eine feste Personalstelle zur Koordinierung der Prozesse einrichten können. Von dort aus wird die kontinuierliche Arbeit einer Kernarbeitsgruppe und eine Strategiegruppe koordiniert, Handlungsempfehlungen werden erarbeitet und Rückmeldungen aus der Arbeitspraxis eingespeist. Über die Arbeit wird regelmäßig im Kulturausschuss und in ressortübergreifenden Konferenzen in meinem Geschäftsbereich berichtet. Darüber hinaus werden Anlass-bezogen weitere Fachbereiche der Stadtverwaltung und Fach-Expert*innen eingebunden.

Auch in den eigentlichen Kulturangeboten spiegelt sich die ressortübergreifende Arbeit bereits jetzt wider. Wir beziehen bewusst neue Akteur*innen aus Vereinen, Verbänden und der Kulturszene in die Arbeit ein, die ihrerseits die Konzepte und Prozesse bereichern und als Multiplikatoren in neue Zielgruppen wirken. Damit stehen wir noch am Anfang, aber weitere Formate sind schon geplant.

3. Das Essener Gesamtkonzept richtet den Fokus auf Themen wie Partizipation und Transformation. Welche konkreten Anliegen verfolgen Sie damit?

Wir sind der Überzeugung, dass dem Thema der Partizipation in Zukunft eine wachsende Bedeutung zukommt. Die Essener Kultur-Angebote sind zahlreich vorhanden, wir stellen jedoch fest, dass Nutzungszahlen stagnieren und viele Menschen diese Kulturangebote nicht mehr selbstverständlich nutzen. Ziel dieser Maßnahmen ist die Entwicklung bedarfsgerechterer Angebote und die Einbeziehung der Kinder und Jugendlichen, im Grund aber aller Menschen, insbesondere in den Quartieren und Stadtbezirken. Das Ruhrgebiet befindet sich schon seit vielen Jahren /Jahrzehnten in Transformationsprozessen und wird dies auch weiter tun. Wir sehen aber die Notwendigkeit zur Entwicklung neuer Strategien, um die aktuellen Entwicklungen langfristig bewältigen zu können.

4. Worin liegt für Sie die zentrale Bedeutung kultureller Bildung für junge Menschen, die heute aufwachsen?

In Zeiten multipler Krisen und großer gesellschaftlicher Herausforderungen sind ein starker gesellschaftlicher Zusammenhalt und die Stärkung einer vielfältigen Gesellschaft besonders wichtig. Kulturelle Bildung hilft allen, aber insbesondere jungen Menschen, mittels der verschiedenen Kulturtechniken selbstwirksam kreativ zu sein, vielfältige Erfahrungen zu sammeln und Ausdrucksformen für viele Fragestellungen zu finden. Sie ist ein fester Bestandteil des ganzheitlichen Lernens und bereichert alle Lernprozesse, auch in den naturwissenschaftlichen Fächern oder im Spracherwerb. Kulturelle Bildung fördert Vielfalt und stärkt das demokratische Miteinander.

5. Mit dem ersten Gesamtkonzept geht die Reise erst richtig los. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Ich freue mich, dass wir im ersten Schritt ein großes und stadtweites Beteiligungsbündnis gewinnen konnten und bin mir sicher, dass wir gemeinsam in den kommenden Jahren einen erkenntnisreichen und dynamischen Prozess vor uns haben, der neue Projekte ermöglicht und vor allem Strukturen stärkt.


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