Claudia Keuchel

Claudia Keuchel ist Fachreferentin für Kulturelle Bildung der Stadt Gelsenkirchen.In ihrer Zeit als Fachreferentin wurde Gelsenkirchen bereits drei Mal im Landeswettbewerb „Kommunale Gesamtkonzepte für Kulturelle Bildung“ ausgezeichnet.


1. Im Rahmen des NRW Landeswettbewerbs „Kommunale Gesamtkonzepte für Kulturelle Bildung“ wurde Gelsenkirchen bereits 2010, 2018 und 2020 ausgezeichnet. 2021 kam die dreijährige Konzeptförderung dazu: Was hat sich in Ihrer Stadt inzwischen nachhaltig verändert?

Wir haben über die Jahre das Thema der Kulturellen Bildung in Gelsenkirchen als strategische Querschnittsaufgabe verankern können. Innerstädtisch haben wir einen regelmäßigen Arbeitskreis der kulturellen Bildungsakteure etabliert. Mit der Teilnahme an vielen Landesprogrammen können wir inzwischen kontinuierlich ein starkes kulturelles Bildungsangebot in Kooperation mit Kinder-, Jugend- und Kultureinrichtungen für ganz Gelsenkirchen anbieten. Es ist ein eigenes Budget für Kulturelle Bildung eingestellt und – darauf sind wir besonders stolz – es ist eine neue Fachstelle in Vollzeit für kulturelle Bildungsarbeit eingerichtet worden.

2. Welche Bedeutung hat die Förderung von kultureller Bildung speziell in einer Stadt, die einen Strukturwandel von der Montanindustrie zur Wissens- und Dienstleistungswirtschaft durchlaufen hat?

Die genannten Entwicklungen prägen die gesellschaftliche Ausgangslage noch bis heute, sie ist von wirtschaftlichen und sozialen Schieflagen geprägt. Gelsenkirchen ist Flucht- und Zuwanderungsort, das Armutsrisiko für Kinder ist hoch. Gleichzeitig steckt aber in der großen kulturellen Vielfalt der Bevölkerung ein Potenzial, welches wir mit kulturellen Bildungsangeboten stärker fördern wollen. Über niederschwellige, künstlerisch qualitative Angebote stärkt kulturelle Bildung die Persönlichkeitsentwicklung und ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe und überwindet Sprachbarrieren.

3. Wie wichtig ist Ihnen das Thema Diversität in der kulturellen Bildung? Wie beeinflusst es Ihre Entscheidungen?

Vor dem Hintergrund der genannten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen reicht es nicht aus, die Potentiale von Vielfalt zu erkennen. Diversität fördern bedeutet eben auch, Diskriminierungsdimensionen zu erkennen, Ausschlüsse zu benennen, zu beheben und ihnen vorzubeugen. Im Bewusstsein dieses Diversitätsverständnisses sehen wir es als unsere Aufgabe durch den Abbau von Zugangsbarrieren und das Empowerment der/des Einzelnen kulturelle und soziale Teilhabe zu sichern und auszubauen. Den Fokus legen wir dabei auf zwei Aspekte von Benachteiligung und Diskriminierung:

  1. Benachteiligung aufgrund finanzieller Armut
  2. Benachteiligung aufgrund ethnischer und kultureller Zuschreibungen.

Kurz gesagt: die Angebote müssen finanziell erschwinglich (in der Regel kostenfrei) und für alle zugänglich sein. Dafür braucht es zielgruppenorientierte Ansprachen. Besonders hilfreich ist uns dabei die mobile aufsuchende Kulturarbeit in den Quartieren, um auch möglichst viele Kinder und Jugendliche zu erreichen.

4. Wie hat die Arbeitsstelle „Kulturelle Bildung NRW“ die Prozesse begleitet?

Die Kolleginnen von der Arbeitsstelle haben uns seit 2018 bei der Erarbeitung der kommunalen Gesamtkonzepte begleitet und fachlich erfolgreich bis zur Auszeichnung beraten. Sie haben die Gründung des innerstädtischen Arbeitskreises aktiv moderiert und die teils schwierige Dynamik eines solchen Prozesses mit uns überwunden. Gemeinsam haben wir für Gelsenkirchen bedarfsgerechte Fortbildungen, Workshops, Tagungen und Förderprogramme angeboten und auf diese Weise unser Netzwerk mit den Kulturakteuren stärken können. Regelmäßig treffen wir uns in themenspezifischen interkommunalen Austauschforen um immer wieder einen Schritt weiter zu gehen. Sehr gerne besuche ich auch die Fachtagungen und Expertenforen vor Ort und bin davon immer wieder sehr inspiriert und thematisch gestärkt.

Ohne die enge und konstruktive Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle hätten wir die kulturelle Bildung in Gelsenkirchen nicht so kontinuierlich aufbauen können.

5. Was begeistert Sie an Ihrer Arbeit am meisten?

Ich habe einen sehr persönlichen Bezug zur Kulturarbeit und zur kulturellen Bildung. Als junger Mensch habe ich selbst erleben dürfen, wie sich mir durch eigene Theaterarbeit buchstäblich neue Welten eröffnet haben. Wie kulturelle Aktivitäten zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zum gesellschaftspolitschen Diskurs beitragen, hat mich begeistert und interessiert und mich sogar in diesen Beruf gebracht. Hier kann ich aus eigener Überzeugung vieles zurückgeben, was mich selbst geprägt hat. Meine Arbeit ist gemeinwohlorientiert und ich kann mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen arbeiten. Nach Feierabend gehe ich oft mit dem Gefühl nach Hause, dass ich Plus gemacht habe- das macht für mich meine Arbeit aus.

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