Aktuelles aus NRW

03.09.2020 Fachtag Systemrelevant

Unter dem Lockdown und der Schließung von Kitas, Schulen, Jugend- und Kultureinrichtungen haben vor allem Kinder und Jugendliche massiv gelitten. Mit einem Fachtag in der Akademie der Kulturellen Bildung lotete die Arbeitsstelle Kulturelle Bildung NRW am 3.9. die Frage aus, wie kulturelle Bildungslandschaften künftig aufgestellt werden müssen, damit sie auch in Krisenzeiten widerstandsfähig und wirksam bleiben.

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Bildung, Persönlichkeitsentwicklung und Wohlbefinden. Das muss auch in Krisen relevant bleiben und gerade in diesen Zeiten diskutiert werden. Der Fachtag "Systemrelevant: Kulturelle Bildungslandschaften für Kinder und Jugendliche" der Arbeitsstelle Kulturelle Bildung NRW entwickelte gemeinsam mit Vertreter*innen aus Kommunen und Kreisen, Fachpartnern und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen Perspektiven für zukunftsfähige Bildungslandschaften. Dabei rückten belastbare Kooperationsstrukturen, Strukturen für Multiprofessionalität und die Gestaltung einer kinder- und jugendgerechten Zukunft in den Mittelpunkt der Tagung.

Der Vormittag startete mit verschiedenen Inputs zum Ist-Zustand der Bildungslandschaften und möglichen Chancen und Wegen aus der Krise. Dr. Anika Duveneck von der FU Berlin hob in ihrem Vortrag die Bedeutung von gemeinsamen Lernprozessen für eine zukunftsfähige Gestaltung von Bildungslandschaften hervor: "Es kommt darauf an, handlungsfähig zu bleiben. Es braucht eine Lobby für junge Menschen und multiprofessionelle Lösungen, die die Vielfalt der vor Ort vorhandenen Akteur*innen selbstverständlich mitdenkt und einbezieht."

"Kulturelle Bildungslandschaften sind durch die Corona-Krise strukturell in eine Schieflage geraten, da sie auf die Erwirtschaftung von Eigen- und Projektmitteln angewiesen sind. Es bedarf dabei nicht nur Rettungsschirmen, sondern es muss auch ein Umdenken in der Kultur- und Bildungspolitik geben. Wie können gemeinwohlorientierte Infrastrukturen für kulturelle Bildungslandschaften geschaffen werden? Es ist an der Zeit, einen kulturpolitischen Diskurs zu führen, der Konzepte der kulturellen Daseinsvorsorge und Grundversorgung neu belebt", so Akademie-Direktorin Prof. Dr. Susanne Keuchel.

Am Nachmittag boten mehrere Themenforen die Gelegenheit, sich intensiv mit Teilhabegerechtigkeit, nachhaltigen Bildungslandschaften und den Herausforderungen von Kultureller Bildung in postdigitalen Lebenswelten auseinanderzusetzen.

Beim abschließenden Podium brachte die Arbeitsstelle Kulturelle Bildung NRW drei NRW-Ministerien ins gemeinsame Gespräch. So diskutierten Stefan Jung (Ministerium für Kinder, Familien, Flüchtlinge und Integration NRW), Dr. Michael Reitemeyer (Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW) und Hildegard Banneyer (Ministerium für Schule und Bildung NRW), wie gerechte und für alle Kinder und Jugendliche zugängliche Bildungs- und Teilhabechancen ermöglicht werden können. Einig waren sich alle drei Ministeriumsvertreter, dass die ressortübergreifende Zusammenarbeit auf allen Ebenen eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Gelingen von Bildungslandschaften ist.

Dr. Michael Reitemeyer (MKW) betonte: "Kinder und Jugendliche brauchen Freiräume und Orte für Entschleunigung. Wir müssen für die Rahmenbedingungen sorgen, gerade auch in Zeiten von Corona." Dafür wiederum bräuchten die Engagierten vor Ort eine Infrastruktur, die so unterstützt, dass "sie nicht um jeden Cent kämpfen müssen".

Hildegard Banneyer (MSB) sieht Chancen in der stärkeren Verankerung der kulturellen Bildung in der Schule: "Kulturelle Bildung muss immer stärker ein selbstverständlicher Teil des Schullebens und darf nicht nur ein `Add-on´ sein“. Und sie plädiert ebenfalls für mehr Zusammenarbeit: "Wir dürfen uns nicht länger in Zuständigkeiten retten. Die Frage ist, wo sind die Kinder und Jugendlichen, was fehlt ihnen und was können wir gemeinsam tun, um die Lücken zu füllen?"

Stefan Jung (MKFFI) betonte die Bedeutung eines gemeinsamen Verständnisses von kultureller Bildung und dem gemeinsamen Wunsch, etwas besser zu machen als es bisher ist. Das gälte für die ministerielle Ebene ebenso wie für die kommunale. "Wichtig ist, dass die Akteure ihre intrinsische Motivation nicht verlieren". Und: "Wir müssen dranbleiben an den Herausforderungen, die sich durch Corona nicht wirklich geändert haben". Dazu zählte Jung u. a. die Angebotsstrukturen in ländlichen Räumen sowie die Zugangsbedingungen für bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche.

Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer gaben am Ende den Veranstaltern ein positives Feedback. Trotz der ungewohnten Abläufe aufgrund der Hygienebestimmungen lobten sie den Mut, diese Veranstaltung analog durchzuführen. Für viele war es die erste Veranstaltung seit vielen Monaten und alle genossen es, sich in direktem Kontakt zu begegnen und miteinander zu diskutieren.