Die Zeit ist nicht umkehrbar - Beziehung und Zufall in Mathematik und Theaterspiel
Schule/Kontakt:
Integrierte Gesamtschule Bonn Beuel
Siegburger Strasse 321
53229 Bonn
Tel. 0228-
Ansprechpartner: Hans-Dieter Ilgner,
Email: TheaterDIERABEN@t-online.de
Jahrgangsstufe/n: 6
Beteiligt an diesem Projekt: Alle Klassen 6 mit jeweils 26-30 Schülerinnen und Schüler, insgesamt ca. 170, Tutoren der Klassen 5 und 6, dazu Fachlehrer NW und Mathematik
Fach/Fächer: Mathematik, NW, Kunst, Deutsch, Darstellen und Gestalten, Methodentraining
Zeitbedarf: pro Klasse 12 -18 Unterrichtsstunden ( für den Jahrgang insgesamt 72)
Kurzbeschreibung des Projektes:
Mathematik ist mehr als Knobeln, schnelles Rechnen und das Aufsagen des Einmaleins. Theater ist ebenso wenig das Aufsagen kluger Texte als Monolog oder Dialog.
Das Projekt geht an Ursprünge mathematischen Denkens, macht die Bildung abstrakter Begriffe und die Beziehung zwischen ihnen als Gemeinschaftsleistung erlebbar. Formeln und Modelle sind transkulturelle Leistungen der Menschheit.
Theater machen bedeutet: Strukturieren, Spielen, Ordnen, Muster erkennen. Auf der Bühne wird Wirklichkeit abgebildet und abstrahiert. Spielend erklären und verstehen wir Modelle, gestalten und bedienen komplexe Systeme.
Szenisches Spielen als Improvisation und Variation, Einstudieren choreographischer Sequenzen, Gefühl für Rhythmus und Wiederholung, Gespür für Ordnung und Erfahrungen mit dem Chaos, Metaphern, Paraphrasen und Formeln, Integration und Differenzierung, können wir als Methoden, Techniken und Werkzeuge des theatralisch-künstlerischen und des mathematisch-wissenschaftlichen Denkens und Handelns miteinander verbinden.
Projektpartner
Künstlerinnen vom „dramatischen zentrum bonn (e.V.)" und Theater DIE RABEN, Studiobühne als Lernort,
Universität Koblenz,
Haussdorff-Center für Mathematik Uni Bonn,
mathematische und fachdidaktische Begleitung: Frau Prof. Barbara Rüdiger (Mathematik, Mathematik-Didaktik), Renate Brüne (Theaterpädagogik, Regie, Szenographie / dzb e.V. u. Theater DIE RABEN), Hans-Dieter Ilgner (Fachlehrer Kunst, Darstellen und Gestalten)
Alternative Projektpartner
Keiner bekannt, das Projekt wird gerade installiert
Lehrplanbezug
Sekundärstufe 1 Gesamtschule, Kunst S.14
Zentrale Lernbereiche
Strukturen erkennen, beschreiben und in andere Lernbereiche übertragen zu können (Transfer)
„Mathematik durch eigenes szenisches und spielerisches Handeln erleben."
Aufgaben der Lehrer: sicherstellen, dass Schülerinnen und Schüler:
- ein möglichst breites Spektrum von Techniken des Beobachtens, des Wahrnehmens, des Sich-Einprägens und Erinnerns kennen lernen und sich aneignen können,
- die Fähigkeit zu selbständigem Arbeiten, zur Selbstorganisation und zur Zusammenarbeit mit anderen entwickeln und ausbilden,
- systematisch die Fähigkeit aufbauen, selbständig Probleme zu lösen bei zunehmend sicherer Verfügbarkeit über Methoden und Kenntnisse und deren gezielter Ausweitung und Ausdifferenzierung,
- zunehmend besser in der Lage sind, ihre Lern- und Arbeitsergebnisse eigenständig, reflektiert und in vielfältigen Ausdrucksformen darzustellen,
- in Hinblick
auf Sachkompetenz, Selbständigkeit, Teamfähigkeit und soziale Kompetenz
Ansprüche an sich selbst stellen und sich entsprechende Leistungen ab-
verlangen, ...
(S. 16)
3.2.1 Planungstableaus zum Leitbegriff „Zeit"
Künstlerisch-ästhetische Bearbeitung von Zeit unter verschiedenen Gesichtspunkten
Jahrgangsstufen 5 und 6: „Zeit erleben" Ausgewählte Orte werden auf ihre individuelle ästhetische Zeitgeschichte hin unter sucht, Spuren der Zeit werden festgehalten.
- Zielsetzung:
Schülerinnen und Schüler dieser Jahrgangsstufen sollen besonders im Hinblick auf ihre Wahrnehmungsfähigkeit geschult werden.
Diesem fachlichen Anspruch kommt das Interesse der Jugendlichen dieser Alters- stufe entgegen, ‘etwas entdecken zu wollen‘ und auf spielerische Weise auf Spurensuche‘ zu gehen. Ein verbogenes Türschloss, abgeschabte Wände, aber auch ein verändertes Schulmobiliar sind ‘Zeitzeugen‘ ebenso wie umgestaltete Plätze im öffentlichen Raum sowie Gebäude und Denkmäler.
- Kompetenzerwerb:
Durch gezielte Beobachtung und Wahrnehmung können Schülerinnen und Schüler Zeitspuren und Lebensspuren entdecken und spielerisch erkunden. Sie entdecken zufällige und systematische Entwicklungstendenzen von Prozessen erkennen und beschreiben.
Aufgaben und
Ziele des Mathematikunterrichts:
„Schülerinnen und Schüler sollen im Mathematikunterricht der Sekundarstufe I
- Erscheinungen aus Natur, Gesellschaft und Kultur mit Hilfe der Mathematik wahrnehmen und verstehen (Mathematik als Anwendung)
- mathematische Gegenstände und Sachverhalte, repräsentiert in Sprache, Symbolen und Bildern, als geistige Schöpfungen verstehen und weiterentwickeln (Mathematik als Struktur)
- in der Auseinandersetzung mit mathematischen Fragestellungen auch überfachliche Kompetenzen erwerben und einsetzen (Mathematik als kreatives und intellektuelles Handlungsfeld).
Hierbei erkennen sie, dass Mathematik eine historisch gewachsene Kulturleistung darstellt. Zugleich erleben sie Mathematik als intellektuelle Herausforderung und als Möglichkeit zur individuellen Selbstentfaltung und gesellschaftlichen Teilhabe. Sie entwickeln personale und soziale Kompetenzen, indem sie lernen, - gemeinsam mit anderen mathematisches Wissen zu entwickeln und Probleme zu lösen (Kooperationsfähigkeit als Voraussetzung für gesellschaftliche Mitgestaltung).
- Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen und bewusst Lernstrategien einzusetzen (selbstgesteuertes Lernen als Voraussetzung für lebenslanges Lernen).
Mathematische Grundbildung umfasst die Fähigkeit, die Rolle zu erkennen, die Mathematik in der Welt spielt, mathematisches Wissen funktional, flexibel und mit Einsicht zur Bearbeitung vielfältiger kontextbezogener Probleme einzusetzen und begründete mathematische Urteile abzugeben. Sie beinhaltet insbesondere die Kompetenz des problemlösenden Arbeitens in inner- und außermathematischen Kontexten. Grundlegend dafür ist die Fähigkeit, komplexe Probleme zu strukturieren sowie reale Probleme in geeigneter Weise mathematisch zu beschreiben, also Modelle zu bilden und zu nutzen." (Kernlehrplan für die Gesamtschule - Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen, Mathematik S 11)
Hierbei geht es im Projekt um eine erweiterte Kompetenzbildung die über spezifisch Mathematisch Lerngegenstände zwar hinausgeht, die Auseinandersetzung mit diesen aber sehr wohl fördert insoweit Kognitive Grundlagen erarbeitet werden. Abstrahierendes Denken, darauf bezogene Teamarbeit sowie die Bereitschaft sich mit einer Betrachtung von Mustern und Strukturen zu befassen und daraus Spielhandlungen abzuleiten schafft Kompetenzen die dem Mathematikunterricht Anschaulichkeit zuführen kann.
Die Einbeziehung von Zufall, Spiel, Regel, im Kontext der Stochastik entspricht den Kompetenzerwartungen in der Sekundärstufe 1. Dabei ist einerseits die Zuordnung zu den Jahrgangstufen zu beachten, andererseits kann im Sinne der Begabungsförderung und einer qualifiziert fördernden Herangehensweise in einem Projekt stufenübergreifend geplant und gearbeitet werden
Kernlehrplan Deutsch
Gesamtschule; dort (S. 28)
3.2 Schreiben
3. Sie informieren über einfache Sachverhalte und wenden dabei die Gestaltungsmittel einer sachbezogenen Darstellung an (Sachlichkeit, Vollständigkeit, Reihenfolge, Tempus etc.). Sie berichten (z. B. über einen beobachteten Vorfall, Unfall, ein Ereignis, eigene Erfahrungen mit Personen, Tieren, Beobachtungen in anderen Ländern; über ein Buch). Sie beschreiben (z. B. Tiere, Gegenstände und Vorgänge).
4. Sie formulieren zu vorgegebenen Situationen eigene Meinungen und begründen sie.
Projektbeschreibung
Nachhaltige Erkenntnisse werden durch langsame Abläufe ermöglicht, die uns das „Miterleben durch Faszination" ermöglichen. Szenisches Spiel und Theater bieten solche Möglichkeiten. Die Teilnehmenden erleben die Mathematik durch langsame Abläufe und verstehen Konzepte der Mathematik und deren Zusammenhänge mit weiteren Kulturgebieten und/oder Anwendungen besser (nachhaltiger), und stellen sie selber so dar, dass andere sie verstehen können. Zur Realisierung dieses neuen Konzepts müssen die Zusammenhänge zwischen Mathematikpädagogik und Theaterpädagogik definiert, Schnittstellen gefunden und, darauf aufbauend, zu einem neuen Konzept verdichtet werden.
Zu dieser Aufgabenstellung schließen sich in einem gemeinsamen Forschungs- und Erprobungsteam Universitätsdozenten (Universität in Koblenz), Theaterpädagogen (das Dramatische Zentrum Bonn e.V.) und Lehrer (Mathematik, NW, Kunst) zusammen. Für die Einbeziehung der Theaterarbeit in den Fachunterricht ergeben sich zahlreiche Ansatzpunkte. von denen zunächst nur einige skizziert werden.
Inszenierungen sind Modelle und als solche auch als makroskopische Prozesse ansehbar, wie die Verbreitung eines Gases im Raum, die Evolution vom Menschenaffen zum Menschen, die Evolution des Universums. Dies und andere Vorgänge erscheinen uns nicht umkehrbar und sind es auch nicht. Wenn wir aber sehr, sehr lange solche Phänomene beobachten könnten, wäre die umgekehrte Evolution solcher makroskopischer Prozesse doch möglich?
Ludwig Boltzmann, dem als Erster eine mathematische und stochastische Modellierung der Teilchen eines Gases gelang, stellte im Zusammenhang mit der Wahrscheinlichkeitstheorie auch als Erster in seinem Seminar über „Mathematik und Philosophie" Fragen, die noch heute (insbesondere im Zusammenhang mit der Evolution des Universums) intensiv von Physikern und Philosophen diskutiert werden. An diesen Überlegungen setzt „Theater und Mathematik erleben" an.
Ziele
Neben Rechnen und logischen Operationen soll das Projekt am Beispiel von Mustern, Strukturen, dem Spiel mit Zufalls-Ereignissen und stochastischen Aufgabenstellungen, die Bildung abstrakter Begriffen, die Beziehung zwischen ihnen als Gemeinschaftsleistung erlebbar machen. Das Vorstellungsvermögen als grundsätzliche Vorraussetzung wird entwickelt und die Bereitschaft gefördert, sich auf abstrahierendes Denken einzulassen.
Lerneffekte
Erkennen und Kommunizieren von Strukturen, abstrakten Begriffen, die mit der Lebenswirklichkeit der Kinder verbunden sind, Gesetzmäßigkeiten in Zufall und Spiel erkennen und für gemeinschaftliches Handeln nutzen. Mathematik hat mit dem Leben zu tun und enthält mehr als nur gut rechnen zu können. Die Fähigkeit, abstrahierend zu denken, wird gefördert, und damit grundlegende kognitive Vorraussetzungen geschaffen, mathematisch-naturwissenschaftliche Zusammenhänge und Aufgabenstellungen anzugehen. Dabei geht es nicht nur um die Förderung leistungsschwacher Schüler, sondern ebenso um diejenigen, die bereits gute Leistungen in Mathematik zeigen.
Besonderheiten
Eine methodisch-didaktische Vorbereitung an der Schule ist nötig, ebenso die Zusammenarbeit mit einer Person, die das Projekt fachlich betreut, im vorliegenden Beispiel ist es die Mathematikerin Frau Prof. Barbara Rüdiger an der Universität Koblenz.
Durchführungsmöglichkeiten
Wie kann man Mathematik (be)greifbar / erlebbar machen, und was verbindet Mathematik mit Alltag, Kultur, natürlichen Phänomenen? Wo kann man Mathematik (insbesondere die Wahrscheinlichkeitstheorie) in Natur, Gesellschaft und Evolutionsprozessen jeder Art entdecken? Wie verwandelt sich und entwickelt sich die Mathematik auf Grund dieser Entdeckungen? Und „last but not least": Wie wird Mathematik zum spannenden Erlebnis? Durch qualifizierte Vorarbeit von Kompetenzen im Bereich der Mathematik und ihrer Anwendungen, durch Mathematik- und Theaterpädagogik und, aus Sicht des Nutzers und der Zielgruppen, durch Theater, welches es ermöglicht, durch langsame Abläufe und ohne Zwang neue Erkenntnisse zu gewinnen und erleben!
Kosten
Workshop, 2 Tage mit einer Klasse und zwei Künstlern/Theaterpädagogen: 1200 €
Im Theater:
Theatertag im Theater mit einer Jahrgangsstufe (6zügig) und einem Abschlusstag mit Präsentation der Ergebnisse in der Schule: 3.500 €
© 2013 Arbeitsstelle Kulturelle Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW – Akademie Remscheid
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